
Wenn man wie ich in diesem Dorf geboren wurde und viel Zeit damit verbracht hat, Dirmingen von verschiedenen Seiten aus zu sehen, stellt man sich die Frage was aus Dirmingen geworden ist und wo die Reise hin geht ? Nun, das Dirmingen meiner Kindheit gibt es so nicht mehr…
Als ich ein Kind war gab es in Dirmingen zwei Schulen, zwei Kindergärten, zwei Kirchen, zwei Banken, ein Kino, sowie etliche Geschäfte und Gastronomiebetriebe. Die Firma Höll war noch da und die Brauerei Schäfer braute das köstliche „Schäfer Bräu“. Wenn man krank war, gab es einen Arzt und das verschriebene Rezept konnte man in der örtlichen Apotheke einlösen. Ein reges Vereinsleben vieler Sparten gab es und niemand hatte das Problem eines Mitgliedermangels, oder gar das Problem einen Vorstand zusammen zu bringen. Jeder Verein richtete ein Fest aus und hatte auch ein Vereinslokal. Beim „Derrminger Volksfest“ gab es einen Umzug und das Festzelt auf dem „Kerweplatz“ war immer gut gefüllt. Dazu kamen noch etliche Straßenfeste.
In Dirmingen gab es einige Arbeitgeber und der eine oder andere war hier beschäftigt, oder hat hier seine Ausbildung gemacht. Genau wie ich. Es fanden die Aktivitäten in der Regel sehr regional statt. Für die damals ältere Generation hörte sich das Wort „Saarbrücken“ wie eine Großstadt an. Da kam man nur selten hin, meist mal in der Vorweihnachtszeit, denn dort gab es das „PEKA“ (später Galeria Kaufhof), Karstadt oder C&A. Dann ging man auch gerne über Mittag ausnahmsweise in den „Wienerwald“ essen. Das war für uns Kinder etwas besonderes. Der eine oder andere männliche Stadtbesucher schaute dann schon mal bei Beate Uhse rein, um sich auf den Stand zu bringen.
Meine Generation veränderte dann schon viel, wurde zusehends moderner. Ich war etwa 13 Jahre alt, als ich merkte, dass es schöner wäre etwas mehr als das Taschengeld zur Verfügung zu haben. Ich begann die Bild am Sonntag auszutragen. Übernommen hatte ich diese mit etwa 25 Exemplaren. Als ich wegen meiner Lehre damit aufhörte, hatte ich meinen Bezirk auf etwa 125 Exemplare ausgebaut. Während andere noch lang schliefen, stand ich Sonntags morgens bereits um 05:00 Uhr auf, richtete meine Tour und startete gegen 07:00 Uhr mit dem austragen der Zeitung. Das brachte jeden Sonntag etwa 20-25,- DM in meine Kasse und an Ostern, Weihnachten und Silvester einiges an Trinkgeld. In der heutigen Zeit würde das wegen dem Jugendschutzgesetz schon mal gar nicht gehen.
Da es keine Handys gab, wurde nur über das Festnetz telefoniert. Die alten Rufnummern hatten neben der Vorwahl von 06827 nur eine 3-stellige Ziffer, später wurden 4 Stellen daraus, heute sogar 6-7 Stellen. Ein weiteres, stark verwendetes Kommunikationsmittel, war der CB-Funk. Es herrschte immer ein starker Funkverkehr. Auch ich hatte ein Gerät im Auto und eine Feststation zu Hause. Ich erinnere mich, dass ich im Winter 81/82 morgens früh zur Bundeswehr gefahren bin. Die Fahrt war aber bei Hermeskeil soweit vorbei, da es ein heftiges Schneetreiben gab und der Verkehr komplett zum erliegen kam. Über mein CB-Funk Gerät erreichte ich eine Funkstation in Hermeskeil. Die nette Frau am Funk rief über Festnetz meine Eltern an und berichtete meine Misere. Meine Eltern informierten dann meine Dienststelle in der Kaserne in Daun. Hat damals auch ohne Handy geklappt.
OK, zurück zum Thema „Quo Vadis Dirmingen“. Ich wollte eigentlich nicht so weit abschweifen. Über die Jahre hinaus wurde alles weniger. Die Kneipen und Geschäfte verabschiedeten sich so nach und nach und auch die Gewerbebetriebe wurden weniger. Die Dorfmitte wurde zusehends leerer. War früher noch reges Treiben am Samstagmorgen im Dorf, so sieht man heute meistens nur noch Autoverkehr, der zu den Geschäften nach Eppelborn, Illingen oder Tholey fährt. Als Hauptdurchfahrtsstraße und Zubringer zur Autobahn gibt es in Dirmingen sowieso ein höheres Verkehrsaufkommen. Wäre das nicht, dann wäre wohl Verkehrstechnisch nicht viel los.
Die Vereinslandschaft ging die letzten Jahre auch stark die Bach runter. Viele Vereine fristen mittlerweile mit wenigen Mitgliedern ihr Dasein. Vorstandsämter sind nur schwer zu besetzen und das Engagement lässt im Ganzen nach. Es fehlt uns schlichtweg an engagierten jungen Leuten, denen die Gemeinschaft und Gesellschaft am Herzen liegt. Junge Leute haben heut zu Tage viele Interessen, vor allem aber sind die elektronischen Medien der Tod der Gesellschaft, wie man sie früher kannte. Dazu steigt in heutiger Zeit die Zahl der Egomanen, Egozentrikern und Individuallisten. Jeder ist sich selbst der Nächste. Gut, dass es dennoch einige Ausnahmen gibt, die versuchen alles aktiv und am laufen zu halten.
Das Thema Vandalismus hat auch stark zugenommen. Vandalismus gab es früher auch schon, nur nicht in dem Maße wie er heute praktiziert wird. Ich kann mich gut daran erinnern, dass nach einer Verschönerungsmaßnahme des Heimat- und Verkehrsvereins an der Brücke zum Bahnhof, immer wieder Blumen aus den angebrachten Kästen gerissen und in die Ill geworfen wurden. Dennoch war es deutlich weniger als in der heutigen Zeit. Ein weiteres ernstes Thema ist die illegale Müllentsorgung die immer wieder und an vielen Punkten im Dorf und auch in der ganzen Gemeinde stattfindet.
Fährt man heute durch Dirmingen, sieht man einigen Leerstand und Häuser, deren Pflegezustand schlechter wird. Häuser die früher einmal gut gepflegt waren, werden mehr oder weniger abgewohnt. Zum einen wird das Geld wegen den ständig steigenden Kosten knapper, zum anderen ist das Rentenniveau gegenüber früher stark gesunken. Das alles hat aber auch damit zu tun, dass die Sanierung von Altbauten in vergangener Zeit nicht genügend gefördert und unterstützt wurde. Neubaugebiete, wie jetzt auch wieder in Dirmingen am Rotenberg, werden favorisiert. In Folge verlieren die Ortsmitten vieler Dörfer an Attraktivität. Dazu kommt, dass die Altbausanierung oft sehr teuer ist und das in einem Gebiet, wo es auch vorkommen kann, dass der Alsbach und die Ill schon mal durch den Keller oder sogar durch das Wohnzimmer fließen können.
Bereits vor 2019 war das Thema einen Nahversorger nach Dirmingen zu holen. Das war und ist auch heute noch ein schwieriges Unterfangen. Dennoch begann ein Investor mit dem Bau eines „Netto“ Marktes Ende letzten Jahres. Die Hoffnung war eine Eröffnung im Frühherbst 2026, die jedoch durch einen Baustopp wieder nach hinten geschoben wurde. Es fehlte noch eine Ausgleichsfläche für Hochwasserereignisse, die noch nicht geschaffen wurde. Deutsche Bürokratie in Echtzeit. Dabei waren die Ziele der deutschen Politik in den letzten 20 Jahren doch alle Vorgänge im Staat zu vereinfachen. Davon merkt der Bürger nichts. Alles kompliziert und schwierig.
Mein Fazit: Die Zukunft bleibt dunkel, denn angesichts leerer Kassen in der Kommune und zunehmend auch bei den Bürgern, ist eine glänzende Zukunft meines Heimatortes Dirmingen mehr als unwahrscheinlich. Wir haben eine nicht mehr nutzbare, gesperrte Borrwieshalle und wir haben eine abgerissene Brücke, die einen Teil unseres Dorfes nur auf Umwegen erreichbar macht. Alleine diese beiden Investitionen werden die nächste Jahre Millionen verschlucken. Von einem dringenden Neubau eines Feuerwehrgerätehauses wollen wir dabei gar nicht sprechen. Quo Vadis Dirmingen…




















